Aktuelle Entwicklung in der Quartiersarbeit – Interview mit Bertram Schrade


Bertram Schrade, 1. Vorsitzender K.I.O.S.K. im Rieselfeld e.V.

Die Kommunalisierung der Quartiersarbeit, mit der im Herbst 2016 die Stadtverwaltung überraschte, konntedurch intensive Gespräche und Überzeugungsarbeit der freien Träger der Quartiersarbeit in Freiburg abgewendet werden. Wie geht es nun weiter? Wir fragten Bertram Schrade, Vorsitzender des KIOSK-Vereines, nach seiner Einschätzung.

STZ: Alles wie gehabt? Ist mit der Entscheidung des Gemeinderates nun alles im grünen Bereich, oder wie ist die aktuelle Sachlage für das Rieselfeld?
Bertram Schrade: Was wir erreicht haben ist, dass die Quartiersarbeit bei größeren freien Trägern wie unserem Verein bleiben kann. Die Stadt möchte aber mehr Einfluss auf die Schwerpunkte unserer Arbeit nehmen, was über Zielvereinbarungen erreicht werden soll. Wir werden natürlich versuchen, unsere Vorstellung von Quartiersarbeit dort zu verankern. Formal wird ab 2019 die Quartiersarbeit in der Stadt Freiburg neu öffentlich ausgeschrieben. Wir sind aber zuversichtlich, dass wir auch in Zukunft den Zuschlag erhalten werden.

STZ: Welche Besonderheiten sehen Sie im Stadtteil Rieselfeld? Was unterscheidet KIOSK e.V. mit seinen Aufgaben und Rahmenbedingungen, von den anderen Quartieren bzw. den weiteren freien Trägern der Quartiersarbeit?
Bertram Schrade: Die Stadt Freiburg versteht unter Quartiersarbeit ausschließlich die Arbeit mit gesellschaftlich benachteiligten Gruppen. Wir verstehen Quartiersarbeit als die Möglichkeit, verschiedene Milieus zusammenzubringen und das Potential eines Stadtteils für ehrenamtliche Arbeit zu heben. Quartiersarbeit muss sich als Multiplikator zum Aktivwerden begreifen, nicht als Verwalter von sozialer Arbeit. KIOSK e.V. zeichnet sich dadurch aus, dass wir so viele Ehrenamtliche haben wie sonst kein anderer Trägerverein.Uns zeichnet weiter aus, dass unser Vorstand aus Rieselfeldern besteht, jeder einzelne also einen Bezug zu unserem Quartier hat und wir alle deshalb an einer positiven Entwicklung des Stadtteils interessiert sind. Alles wie gehabt, nach der Entscheidung des Gemeinderates im März 2017? Der Mix aus der sozialarbeiterischen Fachkompetenz unserer MitarbeiterInnen und dem Input der Sozialkompetenz unserer aktiven Vereinsmitglieder führt zu gegenseitigem Lernen und Inspiration. Ein Träger, der seinen Sitz irgendwoanders in der Stadt hat und seine Mitarbeiter zur Quartiersarbeit in einen Stadtteil entsendet, könnte das nicht leisten. Gerade wegen unserer guten Arbeit der letzten 20 Jahre und der damit verbundenen positiven Entwicklung unseres Stadtteiles zur „problemfreien Zone“ (allen Unkenrufen zum Trotz), droht allerdings eine Stellenkürzung, die wir nicht akzeptieren können.

STZ: Wie wird KIOSK und die Quartiersarbeit im Stadtteil die Unterstützung zum Erhalt der Quartiersarbeit im bisherigen Umfang erlangen? Planen Sie Kampagnen auf den Straßen, Demonstrationen oder eher die Überzeugungsarbeit beim Gläschen Rotwein?
Bertram Schrade: Von allem ein bisschen! Am wichtigsten ist es, von allen Rieselfelder Institutionen und Gruppen Rückendeckung zu erhalten. Wir müssen deutlich machen, dass Quartiersarbeit wirkt und dass eine reduzierte oder fehlende Quartiersarbeit der Anfang ist von einer negativen Veränderung. Wir streben deshalb an, die nach wie vor guten Kontakte beispielsweise zum BürgerInnenverein, zum SvO, der Rieselmesse e.V oder den Kirchen nochmals zu intensivieren, um auch gegenüber der Stadt zu verdeutlichen, wir sind uns einig – Quartiersarbeit hier muss so bleiben, wie sie ist!

STZ: Wir danken für das Gespräch und berichten in der nächsten Ausgabe wieder aktuell!

Das Interview führte Werner Bachteler für die Stadtteilzeitung, Oktober 2017
PDF-Version zum Herunterladen: interviw_bertram_schrade_stz_RF_85

ZUR PERSON

Bertram Schrade ist seit Januar 2006 Vorsitzender des Trägervereines KIOSK, der für die Jugend- und Quartiersarbeit, für den Stadtteiltreff glashaus und die Schulsozialarbeit am Kepler Gymnasium verantwortlich ist. Im vergangenen Jahr engagierte er sich zusätzlich auf städtischer Ebene, damit die Vernetzung der freien Träger und eine gemeinsame Linie gegenüber Stadtverwaltung und Gemeinderat erreicht werden konnte. Bertram Schrade wird 2018 seinen Vorsitz bei KIOSK beenden, weil er überzeugt ist, dass nur durch eine wiederkehrende personelle Erneuerung in einem Verein ein Stillstand oder gar Rückschritt verhindert und damit Neues entstehen kann. Im Rahmen der Mitgliederversammlung wird der Vorstand neu gewählt.

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