Brief des Vorstands zum Thema Gutachten über die Quartiersarbeit der Stadt Freiburg

Sehr geehrter Herr Dr. Salomon,

vergangenen Dienstag (13.09.2016) wurden die Träger der Quartiersarbeit (QA) in Freiburg über das Ergebnis der Evaluation der QA informiert. Die wesentlichen Inhalte des Gutachtens sind nicht die inhaltliche Auseinandersetzung mit der QA und den Trägern, sondern die Ausarbeitung, wie in Zukunft die QA in Freiburg gemacht werden soll. Nämlich ohne Träger. Das halten wir für einen Schritt in die falsche Richtung.

Wir sind der Meinung, dass vor allem die Struktur, wie wir sie im Rieselfeld erarbeitet haben (der Trägerverein rekrutiert sich ausschließlich aus StadtteilbewohnerInnen, parteipolitische Bezüge sollen bewusst außen vor bleiben, politisch aktive BewohnerInnen sind nicht im Vorstand, sondern engagieren sich in der Stadtteilkonferenz, sofern sie das wünschen) beispielhaft wäre, für die Implementierung der QA in weiteren Stadtteilen. Selbstverständlich wude damit den Bürgern ein hohes Maß an Verantwortung übertragen, aber in der Regel werden diese verantwortlich mit dieser umgehen. Die Signale an die Bewohnerschaft sind „wir nehmen Euch ernst, wir trauen Euch etwas zu“, und der Effekt ist, dass mehr BewohnerInnen sich engagieren, Aufgaben übernehmen, sich selbst organisieren und ihren Stadtteil gestalten. Genau das ist im Rieselfeld passiert und genau das macht gute QA aus, und genau das lässt das Gutachten völlig unberücksichtigt.Nur deshalb hat sich das Rieselfeld zu dem entwickelt, was das Gutachten dann belegt, einem Stadtteil mit relativ hohem „Status“.

Von Seiten KIOSK herrschte jederzeit über all unsere Tätigkeiten eine große Transparenz, zu keinem Zeitpunkt haben wir den konstruktiven Weg der Diskussion mit der Stadtverwaltung und der Suche nach Kompromissen bei Problemen verlassen. Wir arbeiteten in die Verwaltung hinein dialogorientiert und hatten bislang den Eindruck, dass die Verwaltung auch mit uns so arbeitet.

Dass wir nun für die überregional anerkannte Arbeit abgestraft werden, indem wir als einziger Stadtteil personell eingedampft werden sollen, empfinden wir, empfinde ich persönlich, als Affront.

Wir fordern Sie auf

  • den Entscheidungsprozess zur Kommunalisierung der QA sofort auszusetzen,
  • in Diskussionen mit den Trägern über die Inhalte der QA einzusteigen auf der Grundlage des Gutachtens bzw. der im Gutachen nicht näher erläuterten, nur angerissenen, angeblichen Falschentwicklung,
  • offen zu sein für eine andere Lösung, als der Kommunalisierung der Quartiersarbeiter und der Implementierung von Placebo-Quartiersräten ohne Entscheidungsbefugnis und direkten Zugriff auf die QA,
  • mögliche Varianten für die Neustrukturierung der QA zu erarbeiten und in einer Bewertungsmatrix zu bewerten,
  • die MitarbeiterInnen in K.I.O.S.K. e.V. zu schützen und nicht 20 Jahre QA im Rieselfeld zu vernichten,
  • Bürgerbeteiligung ernst zu nehmen.

Wir sind im Gegensatz zu den vielen Bürgerinitiativen, die ausschließlich Partikularinteressen unter dem Mäntelchen der Bürgerbeteiligung verfolgen, tatsächlich interessiert an einer Gemeinwesenarbeit für den Stadtteil Riesefeld, und wir haben auch schon bewiesen, dass wir uns ebenso eingesetzt haben für übergeordnete Ziele, wie zum Beispiel den neuen Stadtteil Dietenbach.

Der im Gutachten mehrfach beklagte „Wildwuchs“ zeigt auch, dass nicht alles gleich sein kann und muss, dass unterschiedliche Lösungen für gleiche Fragestellungen gefunden werden können, je nachdem, wer mit welchem Erfahrungshorizont daran arbeitet. Das ist kreativ und innovativ. Wenn die Stadtverwaltung ihre Richtlinienkompetenz ernst nehmen würde und Leitplanken definiert, innerhalb derer sich die QA bewegt, wäre allen Beteiligten schon sehr geholfen.

Den Wildwuchs zu unterbinden führt zu Monokultur, um in der Wortwahl des Gutachtens zu bleiben.

Mit freundlichen Grüßen

Bertram Schrade
Vorsitzender K.I.O.S.K. e.V.
für den Vorstand Werner Bachteler, Dagmar Gaukel, Lejla Karovic-Kersting, Renate Matt, Thorsten Leiendecker, Ulrich Plessner, Geneviève Zuber

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